Pistolenholster erklärt: Level 1–3, OWB, IWB & Speed-Holster
Das Pistolenholster ist ein wichtiger Bestandteil der Ausrüstung beim dynamischen Pistolenschiessen. Es muss die Pistole sicher halten, einen sauberen Zugriff ermöglichen und zum verwendeten Pistolenmodell passen.
Dabei begegnet man Begriffen wie Level 1, Level 2, Level 3, OWB, IWB, Drop-Leg oder Speed-Holster. Diese beschreiben unterschiedliche Eigenschaften eines Holsters.
In diesem Beitrag erkläre ich die wichtigsten Unterschiede und worauf bei der Wahl eines geeigneten Pistolenholsters geachtet werden sollte.
Level 1, Level 2 und Level 3 – was bedeutet Retention?
Die sogenannten Retention Levels beschreiben, wie die Pistole im Holster gehalten beziehungsweise gegen unbeabsichtigtes oder unbefugtes Herausziehen gesichert wird.
Wichtig: Die genaue Definition der einzelnen Levels kann sich je nach Hersteller unterscheiden. Entscheidend ist deshalb immer die tatsächliche Funktionsweise des Holsters.

Level 1 Holster
Bei einem Level-1-Holster wird die Pistole durch die grundlegende Retention des Holsters gehalten. Bei einem passgenauen Kydex-Holster entsteht diese beispielsweise durch dessen Form und Spannung.
Zum Ziehen muss keine zusätzliche aktive Sicherung gelöst werden.
Das ermöglicht einen einfachen und schnellen Zugriff und eignet sich besonders für:
- Schiesskurse
- dynamisches Pistolentraining
- Trockentraining
- sportliches Schiessen
Für viele Trainingsanwendungen ist ein gutes Level-1-Holster vollkommen ausreichend.

Level 2 Holster
Ein Level-2-Holster verfügt zusätzlich über eine aktive Sicherung, die beim Ziehen bewusst entriegelt werden muss.
Je nach System erfolgt dies beispielsweise mit dem Daumen. Bei einem gut konstruierten Holster lässt sich die Entriegelung direkt in die natürliche Ziehbewegung integrieren.
Level-2-Holster kommen häufig beim taktischen Training sowie im Behörden- und Sicherheitsbereich zum Einsatz. Sie bieten einen guten Kompromiss zwischen schnellem Zugriff und erhöhter Retention.

Level 3 Holster
Ein Level-3-Holster verfügt über weitere Sicherungsmechanismen und bietet eine entsprechend hohe Retention.
Solche Holster werden hauptsächlich im professionellen Behörden- und Sicherheitsbereich eingesetzt, wo verhindert werden soll, dass eine offen getragene Pistole einfach aus dem Holster gezogen werden kann.
Die zusätzlichen Sicherungsmechanismen machen den Ziehvorgang komplexer und müssen entsprechend trainiert werden.
Für das normale sportliche Pistolentraining ist ein Level-3-Holster in der Regel nicht erforderlich.
OWB und IWB – wo wird das Holster getragen?
Während Level 1 bis 3 die Retention beschreiben, beziehen sich OWB und IWB auf die Trageposition.
WB – Outside the Waistband
Bei einem OWB-Holster wird die Pistole ausserhalb der Hose am Gürtel getragen.
Das ermöglicht einen sehr guten Zugriff und erleichtert den Aufbau eines vollständigen Griffs bereits vor dem Ziehen.
OWB-Holster sind deshalb besonders verbreitet bei:
- Schiesskursen
- dynamischem Training
- sportlichem Schiessen
- Behörden
Für meine regulären Pistolen-Schiesskurse ist ein passendes und formstabiles OWB-Holster in der Regel die bevorzugte Variante.
IWB – Inside the Waistband
Ein IWB-Holster wird innerhalb des Hosenbundes getragen und kommt vor allem beim verdeckten Tragen einer Pistole zum Einsatz.
Beim Ziehen muss gegebenenfalls zuerst die Kleidung aus dem Weg gebracht werden. Auch beim Einholstern ist besondere Aufmerksamkeit erforderlich, damit keine Kleidung oder andere Gegenstände in den Holsterbereich gelangen.
Das Training mit einem IWB-Holster stellt deshalb höhere Anforderungen an einen bereits sicheren Umgang mit dem Ziehen und Holstern.

Beinholster, Mid-Ride und Low-Ride
Bei einem klassischen Drop-Leg- oder Beinholster sitzt die Pistole tiefer am Oberschenkel. Die Plattform ist am Gürtel befestigt und wird häufig zusätzlich mit einem Riemen am Bein stabilisiert.
Diese Trageweise stammt hauptsächlich aus dem militärischen und taktischen Bereich und kann sinnvoll sein, wenn beispielsweise eine Schutzweste oder andere Ausrüstung den Zugriff auf ein hoch sitzendes Holster behindert.
Ein Holster sollte jedoch nicht unnötig tief getragen werden. Je tiefer die Pistole sitzt, desto länger wird der Ziehweg und desto stärker kann sich die Plattform bei Bewegung verschieben.
Heute werden deshalb häufig Mid-Ride- oder Low-Ride-Systeme verwendet. Dabei sitzt das Holster etwas unterhalb des Gürtels, bleibt aber nahe an der natürlichen Position der Hand.

Speed-Holster – für den Wettkampf
Eine Sonderstellung nehmen Speed- oder Race-Holster ein.
Sie sind auf einen möglichst schnellen und widerstandsarmen Ziehvorgang ausgelegt. Die Pistole wird je nach Konstruktion nur an einem kleinen Bereich gehalten.
Solche Holster kommen hauptsächlich in bestimmten dynamischen Wettkampfdisziplinen zum Einsatz.
Für allgemeine Schiesskurse und praxisorientiertes Training sind Speed-Holster weniger geeignet. In meinen regulären Pistolen-Schiesskursen sind Speed-Holster nicht zugelassen.
Material: Kydex oder formstabiler Kunststoff
Ein wichtiger Punkt ist die Bauweise des Pistolenholsters.
Für das Training sollte das Holster formstabil und für das konkrete Pistolenmodell gefertigt sein.
Geeignet sind insbesondere:
- Kydex-Holster
- formstabile Kunststoff- bzw. Polymerholster
Kydex lässt sich passgenau an die Konturen einer Pistole anpassen. Auch industriell gefertigte Polymerholster werden speziell für bestimmte Pistolenmodelle konstruiert.
Der entscheidende Vorteil: Das Holster behält seine Form auch ohne eingesetzte Pistole. Dadurch bleibt die Holsteröffnung frei und die Pistole kann kontrolliert wieder eingesteckt werden.
Keine Universal-, Leder- oder Cordura-Holster
Für meine dynamischen Pistolen-Schiesskurse sind weiche oder universell passende Holster nicht geeignet.
Dazu gehören insbesondere:
- Lederholster
- Cordura- und andere Textilholster
- Universalholster für verschiedene Pistolenmodelle
Weiche Holster können sich verformen oder nach dem Ziehen zusammenfallen. Universalholster bieten zudem nicht dieselbe definierte Passform und Retention wie ein speziell für eine Pistole konstruiertes Holster.
Meine einfache Grundregel lautet deshalb:
Das Holster muss formstabil sein, den Abzugsbereich vollständig abdecken und zum verwendeten Pistolenmodell passen.
Worauf beim Kauf eines Pistolenholsters achten?
Ein geeignetes Holster sollte folgende Anforderungen erfüllen:
- passgenau für das verwendete Pistolenmodell
- formstabiles Kydex oder Polymer/Kunststoff
- vollständige Abdeckung des Abzugsbereichs
- zuverlässige Retention
- Holsteröffnung bleibt ohne Pistole offen
- vollständiger Griff vor dem Ziehen möglich
- stabile Befestigung am Gürtel
- gegebenenfalls passend für Rotpunktvisier und Waffenlicht
Auch ein stabiler Gürtel gehört zu einem guten Holstersystem. Holster und Gürtel sollten beim Ziehen möglichst an ihrer Position bleiben.
Welches Pistolenholster ist das richtige?
Für einen schnellen Überblick:
| Holster | Eigenschaft | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Level 1 | einfache Retention | Sport, Kurse, Training |
| Level 2 | aktive zusätzliche Sicherung | Training, Behörden |
| Level 3 | hohe Retention | professioneller Einsatz |
| OWB | ausserhalb der Hose | Sport, Kurse, Behörden |
| IWB | innerhalb des Hosenbundes | verdecktes Tragen |
| Mid-/Low-Ride | etwas unterhalb des Gürtels | dynamisch/taktisch |
| Drop-Leg | am Oberschenkel | taktischer Einsatz |
| Speed-Holster | auf Geschwindigkeit ausgelegt | Wettkampf |
Dabei darf man Retention und Trageposition nicht verwechseln. Ein OWB-Holster kann beispielsweise sowohl Level 1 als auch Level 2 oder Level 3 besitzen.
Sicheres Ziehen und Holstern trainieren
Das beste Holster bringt wenig, wenn der Umgang damit nicht beherrscht wird.
Beim Ziehen sollte bereits an der geholsterten Pistole ein sauberer und vollständiger Griff aufgebaut werden. Der Abzugsfinger bleibt ausserhalb des Abzugsbügels.
Besonders wichtig ist auch das kontrollierte Einholstern. Dabei besteht kein Grund zur Eile. Vor dem Einholstern muss sichergestellt sein, dass Kleidung oder andere Gegenstände den Holsterbereich nicht blockieren.
Bei Level-2- und Level-3-Holstern muss zusätzlich die Bedienung der aktiven Sicherungsmechanismen trainiert werden.
Fazit
Ein Pistolenholster muss zum Einsatzzweck, zur Pistole und zum Schützen passen. Eine möglichst hohe Level-Zahl bedeutet dabei nicht automatisch ein besseres Holster.
Für Schiesskurse und dynamisches Training ist ein passgenaues, formstabiles OWB-Holster aus Kydex oder Kunststoff häufig die sinnvollste Lösung. Level-2-Holster bieten zusätzliche Retention, während Level-3-Holster hauptsächlich für professionelle Anwender konzipiert sind.
IWB-Holster dienen vor allem dem verdeckten Tragen, Mid-/Low-Ride- und Beinholster verändern die Position der Pistole am Körper. Speed-Holster wiederum sind speziell auf bestimmte Wettkampfdisziplinen ausgerichtet.
Entscheidend sind letztlich eine sichere Konstruktion, eine gute Passform und ein regelmässig trainierter Umgang mit dem Holster.



